Türen für US-Lokomotiven aus Mühlhausen

2011-10-27 12:37

Monteur Andreas Frank und die Firma S&S aus Mühlhausen stellen Türen für die Deutsche Bahn her. Foto: Daniel Volkmann

Das Mühlhäuser Unternehmen "Schließ- und Sicherungssysteme" hat sich mit den USA einen weiteren Auslandsmarkt erarbeitet. Parallel dazu werden die Aktivitäten in Russland verstärkt. Ziel für dieses Jahr ist es, dass 40 Prozent des Umsatzes mit dem Export erwirtschaftet werden sollen.
Mühlhausen. Eine Art Fünfjahresplan hat US-Präsident Barack Obama für den Eisenbahnverkehr in den Vereinigten Staaten erlassen: 13 Hochgeschwindigkeitsstrecken sind vorgesehen und eine satte 11-Milliarden- Dollar-Förderung durch den Staat in der ersten Etappe. Ob davon einige Dollars für Mühlhausen abfallen, steht derzeit noch nicht fest. Ein Bein im amerikanischen Markt und ein gutes Gefühl hat das Unternehmen "Schließ- und Sicherungssysteme" aber: Für 70 Lokomotiven liefert die Firma aus der Bonatstraße die Türen, in Partnerschaft mit Siemens. Oder besser gesagt: Einen Teil der Türen, der dann in den Staaten komplettiert wird.
Pro Fahrzeug sind es sechs Stück, die selbst im Vergleich zu Deutschland besonders hohe Brandschutzanforderungen in den Vereinigten Staaten erfüllen müssen. Das sagten Geschäftsführer Jörg Breitbarth und Vertriebschef Jens Meyer unserer Zeitung. Mit den USA hat "Schließ- und Sicherungssysteme" einen weiteren Auslandsmarkt erobert. 40 Prozent des Umsatzes will der, so die Eigenwerbung, "Systemlieferant für die Schienenfahrzeugindustrie" dieses Jahr im Exportgeschäft erwirtschaften. 2010 war es ein Drittel, bei 19,6 Millionen Euro Umsatz. Die Deutsche Bahn, Siemens, Bombardier und Alstom, also alle namhaften Bahnhersteller, sind dabei die wichtigsten Partner. Trennwände, Haltestangen, Gepäckablagen, Türen, Rampen und Klapptritte sind einige der Produkte.
Für eine neue Einstiegsleiter, deren Stufen sich ganz einfach einziehen lassen, hat das Unternehmen jetzt das Patent angemeldet. Ein Schiebefenster in einer Loktür durchläuft derzeit einen Dauertest. Mindestens 1 250 000-mal soll sich das bewegen lassen, bevor das erste Mal ein Ersatzteil gewechselt werden muss. Wenn Breitbarth und Meyer vom Ausland berichten, denken sie auch sofort an den Sport: Für die Olympischen Spiele 2014 in Sotschi, 2016 in Rio de Janeiro und die Fußball- Weltmeisterschaft in drei Jahren in Brasilien sollen die Eisenbahn- Infrastrukturen in diesen Ländern ausgebaut werden. "Wir sind für unseren Teil dafür bereit", machen die Chefs deutlich. Russland, im Übrigen, gehört schon seit längerer Zeit zu den Partnern der Firma.

Aktuell betrifft das einen Auftrag für 200 Schlafwagen. Eine Russin, die nach Bad Langensalza geheiratet hat, wurde kürzlich nicht von ungefähr eingestellt. Vertriebschef Meyer hat die Erfahrung gemacht, dass die Geschäfte umso besser gelingen, wenn die Mitarbeiter sich in der Muttersprache des Auftraggebers verständigen können. In Deutschland, natürlich, klappt das ohne jedes Problem. Auch vom heimischen Markt können die Manager über neue Aufträge berichten. Bei der Modernisierung der ICE-2-Flotte, dem Re-Design, ist "Schließund Sicherungssysteme" wieder mit dabei, mit Glastrennwänden, neuen Tischen und Lichtlamellen.

Schon bei der ersten Serie dieser Züge haben die Mühlhäuser ihre Auftraggeber mit Qualität beim Re-Design überzeugt, erinnert Breitbarth an die Vorgeschichte. Deshalb ist er guter Hoffnung, was die Ausstattung für die sogenannte "ICx-Serie" betrifft, dem künftigen Vorzeigezug der Bahn, der derzeit in der Planung ist. Angebote für S-Bahnzüge und Straßenbahnen unter anderem in Berlin und Bern zählt der Chef darüber hinaus aus dem aktuellen Lieferprogramm der Mühlhäuser auf. 170 Beschäftigte und elf Leiharbeiter hat die Firma, die sich auf dem Gelände an der Bonatstraße vergrößern will und leichte Sorgen, den richtigen Nachwuchs zu finden. Ein Prinzip der Personalpolitik ist es nach Breitbarths Worten, dass die guten Leiharbeiter auch gute Chancen haben, fest in die Firma übernommen zu werden.

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